Infrastruktur

Für Veranstalter beginnt heute eine Großveranstaltung nicht mehr an der Einlassschleuse zum Veranstaltungsgelände sondern bereits mit der Anreise und Unterbringung der Besucher.
Ein mehrtägiges Festival beispielsweise definiert sich zwar immer noch zu einem großen Teil über das Musikprogramm und die Ausstattung des Veranstaltungsgeländes mit Bühnen. Die Konkurrenzsituation und die teilweise Vergleichbarkeit des Bühnenprogramms haben jedoch dazu geführt, dass für Besucher die Situation auf den Zeltflächen mit den dort gebotenen Services einen hohen Einfluss auf die Entscheidung hat, ein Festival zu besuchen oder nicht.
Die Verweildauer der Besucher bei einem 3-Tages-Festival mit Bühnenprogramm von Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend beträgt zum überwiegenden Teil vier Tage und drei Nächte. Während in den Anfängen der Festivalkultur noch die Maxime „I survived it!“ galt, spielt heute der vor Ort gebotene Komfort eine große Rolle.
Mussten Besucher sich früher Nachts im Dunkeln zurechtfinden, gehören heute die Grundbeleuchtung aller Flächen und die helle Ausleuchtung aller Hauptwege zum Standard. Das ist verbunden mit einem stark erhöhten Stromversorgungsbedarf der Nutzflächen. Und neben Verpflegungsmöglichkeiten wie Supermärkten und Frühstücksangeboten und warmen Speisen hat sich auch die Nachfrage nach sanitären Einrichtungen deutlich gesteigert.
Noch vor zehn Jahren wurden Großveranstaltungen in Deutschland überwiegend mit anschlussfreien Chemietoiletten ausgestattet, Duschen gab es kaum, und wenn welche vorhanden waren, wurden sie mit kaltem Wasser betrieben. Heiße Duschen sind heute auf den Zeltplätzen von Großveranstaltungen Standard. Die Toiletten werden in einem Mix aus wassergespülten Systemen mit Waschplätzen und Duschen an zentralen Stationen und mobilen Toiletten für entlegenere Standorte angeboten. Im Veranstaltungsgelände hat sich ebenfalls eine Kombination von mobilen anschlussfreien Toiletten und wassergespülten Systemen durchgesetzt.
Verordnungen wie die Umsetzung der EG-Richtlinie 98/83 über die Verwendung von Wasser für den menschlichen Gebrauch („Trinkwasserverordnung“) in nationales Recht beeinflussen auch die Genehmigungspraxis der Behörden für Großveranstaltungen. Sie nehmen vermehrt Einfluss auf Qualität und Menge der zur Verfügung gestellten Infrastruktur.
Durch das Komfortbedürfnis der Besucher und den Einfluss von Gesetzen auf die Genehmigung von Veranstaltungen ist Anteil der Infrastrukturkosten an den Produktionskosten eines Events (ohne Kosten für Bühnen und Programm) in den letzten Jahren von durchschnittlich 15% auf etwa 35% gestiegen.
Bei der Unterbringung von Fahrzeugen und Besuchern auf Park- und Zeltflächen hat sich in den letzten zehn Jahren die weitgehende Trennung von Menschen und Fahrzeugen als Standard durchgesetzt, um die von Menschen belegten Flächen effektiver mit Infrastruktur versorgen zu können.
Stromversorgung, sanitäre Einrichtungen, Abfallmanagement, Wasserver- und Abwasserentsorgung sind deshalb auch Schwerpunkte bei der Infrastrukturplanung für unsere Kunden.
Infrastruktur auf einen Blick:
• Komfortbedürfnis der Besucher innerhalb von zehn Jahren deutlich gestiegen
• Serviceangebot ist Einflussfaktor für Besucherentscheidung
• Behördliche Genehmigungspraxis durch Gesetze verschärft
• Infrastrukturanteil an Gesamtkosten wurde deutlich erhöht
• Infrastrukturplanung ist ein Schwerpunkt in der Veranstaltungsplanung